DJ BMU-Studie: EEG-Umlage hat geringen Einfluss auf Endkundenpreise
BERLIN (Dow Jones)–Die Zusatzkosten für den Ausbau erneuerbarer Energien werden 2011 leicht zulegen und voraussichtlich ein Maximum erreichen. Das geht aus einer aktuellen Studie des Bundesumweltministeriums (BMU) über den Neubau von erneuerbaren Anlagen sowie die damit verbundene Umlage über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Umlage) hervor, die Dow Jones Energy Daily am Dienstag vorlag. Nach Berechnungen des BMU müssen die Energiekunden im nächsten Jahr mit einem Anstieg der EEG-Umlage um 0,4 bis 0,5 cts auf 2,7 cts bis 2,8 cts/kWh rechnen.
Die EEG-Umlage für 2010 mit knapp über 2 cts sei zu gering gewesen, weil der Zubau an Photovoltaikanlagen unterschätzt worden sei. Deshalb korrigierte das BMU in seinem neuen Szenario die EEU-Umlage für das laufende Jahr auf 2,3 cts/kWh. Allerdings soll die EEG-Umlage bis 2015 stabil bleiben, bevor sie 2010 dann auf 1,9 cts im Jahr 2015, 1 cts im Jahr 2025 und 2030 schließlich auf 0,1 cts/kWh fällt.
"Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erreicht im Jahr 2020 einen Anteil von 40% am Bruttostromverbrauch", heißt es weiter in dem Leitszenario des Umweltministeriums. Damit werde das EEG-Ziel von mindestens 30% bis 2020 deutlich übertroffen. Bis 2030 sollen sogar 66% des deutschen Stromverbrauchs aus regenerativen Quellen stammen.
Wesentlich getrieben wird laut BMU der höhere Zubau von stark gestiegenen Zubauerwartungen bei der Photovoltaik. 2010 erwartet das Ministerium einen Zubau an Solaranlagen von 6.000 MW (2009: 3.800 MW) und im nächsten Jahr von 4.500 MW. In den Folgejahren soll sich der jährliche Neubau bis 2020 u.a. wegen geringerer Vergütungssätze wieder auf ein Niveau von 3.500 MW einpendeln.
Bis 2020 soll die Solarenergie in Deutschland mit rund 51.000 MW sogar die installierte Kapazität von 45.000 MW an Windkraft überholt haben – bis 2030 sollen beide Energieträger mit jeweils 63.000 bzw 64.000 MW dann gleich ziehen. Der Anteil der Offshore-Windkraft soll dann von derzeit unter 1.000 MW auf 25.000 MW wachsen.
In der öffentlichen Diskussion über EEG-Umlage und Zusatzbelastungen für Stromkunden werde jedoch übersehen, dass die monatlichen EEG-Kosten für einen Durchschnittshaushalt (3.500 kWh/Jahr) von 2000 bis 2009 um weniger als 3 EUR gestiegen seien, während sich die monatliche Stromrechnung im gleichen Zeitraum um insgesamt 27 EUR verteuert habe. Das BMU weist darauf hin, dass der sprunghafte Anstieg der EEG-Kosten im laufenden Jahr auf mehrere Faktoren zurückzuführen sei.
Durch den Einbruch der Börsenstrompreise an der EEX sei der anlegbare Wert von EEG-Strom auf 5,3 cts gesunken von zuvor 7 cts/kWh. Dieser Effekt führe rein rechnerisch zu einem Anstieg der EEG-Kosten in einer Größenordnung von 1,5 Mrd EUR, da die EEG-Umlage als Differenz zwischen Börsenstrompreis und EEG-Vergütung berechnet wird. Mittel- bis langfristig sollte das Sinken der EEX-Preise auch zu sinkende Strompreisen für Haushaltskunden führen, erwartet das BMU.
Der zweite Effekt resultiere aus der Umbuchung der Kosten für Regel- und Ausgleichsenergie. Früher seien diese Kosten in die Netzentgelte eingeflossen, künftig sollen sie transparent in der EEG-Umlage ausgewiesen werden. Im Gegenzug zur Erhöhung der EEG-Umlage sollen sich die Netzentgelte um den gleichen Betrag verringern, erklärt das Bundesumweltministerium.
Daher sei dem Ausbau der erneuerbarer Energien im laufenden Jahr nur ein Kostenanstieg von 0,4 cts/kWh direkt zuzurechnen. Bei einem durchschnittlichen Haushaltskundenpreis von 23 cts/kWh seien dies weniger als 2%. Da mehrere Stromlieferanten ihre Preise um deutlich mehr erhöht hätten als diesen Betrag, während andere im laufenden Jahr sogar Preissenkungen anböten, "dürfte im Wesentlichen auf unterschiedliche Beschaffungs- und Marktstrategien der Unternehmen" zurückzuführen sein, schreibt das BMU.
Webseite: www.bmu.de
-Von Ali Uluçay, Dow Jones Newswires, +49 (0) 69 29725 405,
ali.ulucay@dowjones.com
DJG/aul/kth
(END) Dow Jones Newswires
July 27, 2010 11:57 ET (15:57 GMT)
Copyright (c) 2010 Dow Jones & Company, Inc.