FRANKFURT (dpa-AFX) – Trotz des dritten Milliardengewinns in Folge
bleibt die Deutsche Bank
Herausforderungen, aber auch Chancen”, schrieb Deutsche Bank-Chef Josef
Ackermann am Donnerstag in einem Brief an die Aktionäre. Die Altlasten der Krise
seien nach wie vor spürbar. Deshalb wolle sein Haus die Risiken im
Handelsgeschäft weiter verringern. Zwar hätten sich die weltweiten Finanzmärkte
im dritten Quartal weiter stabilisiert, führte Ackermann aus. “Dennoch ist das
gesamtwirtschaftliche Umfeld nach wie vor anfällig.”
Sorge bereitet dem Spitzenmanager vor allem die steigende Arbeitslosigkeit
infolge der Wirtschaftskrise. Die Deutsche Bank bekommt die Auswirkungen ganz
direkt zu spüren: Viele Schuldner können ihre Raten nicht mehr zahlen. Die
Deutsche Bank legte sicherheitshalber noch einmal eine halbe Milliarde Euro
zurück.
FREUDE ÜBERWOG
Nachdem sich die Börsianer am Morgen von der Skepsis hatten anstecken
lassen, überwog zum Mittag die Freude über das zuletzt gute Abschneiden. Die
Analysten lobten einhellig die Stärke des heimischen Branchenprimus, der anders
als viele Landesbank oder der Rivale Commerzbank
Staatshilfe durch die Krise gekommen ist. “Wir konnten unsere Unabhängigkeit
bewahren”, stichelte Ackermann gegen die Konkurrenz. Der Kurs stieg um knapp 2
Prozent.
Vor Steuern verdiente die Deutsche Bank von Juli bis September 1,3
Milliarden Euro, wie sie bereits vor einer Woche verraten hatte. Der Verkauf der
restlichen Beteiligung am Autokonzern Daimler sowie ein Scheck vom Finanzamt
trieben den Gewinn unterm Strich sogar auf 1,4 Milliarden Euro hoch. Nur wenige
Banken auf der Welt verdienten zuletzt besser, darunter die großen US-Institute
JP Morgen
Jahr hatte die Finanzkrise den Gewinn noch auf 414 Millionen Euro gedrückt.
Von der Erholung profitieren auch die Mitarbeiter über ihre Boni: Mit 2,8
Milliarden Euro lag der Personalaufwand fast um eine Milliarde Euro höher als
vor einem Jahr. Dabei ging die Zahl der Beschäftigten im gleichen Zeitraum um
1.900 Mitarbeiter auf gut 78.500 zurück.
INVESTMENTBANKING FLORIERT
Das meiste Geld brachte ein ums andere Mal das risikoreiche
Investmentbanking ein. Die Sparte alleine warf knapp 1,2 Milliarden Euro ab. Das
Privatkundengeschäft kam mit 283 Millionen Euro Gewinn zwar aus den roten
Zahlen; selbst das Sorgenkind Vermögensverwaltung verdiente wieder Geld. Doch an
die Gewinne früherer Tage kam das zweite große Standbein bei weitem nicht heran.
Als Grund führte Ackermann das niedrige Zinsniveau und die Furcht der
Privatkunden vor dem Kapitalmarkt an.
Das Kreditgeschäft ist laut Ackermann dagegen gewachsen. Anders als viele
gestrauchelte Wettbewerber hat die Deutsche Bank genug Geld auf der hohen Kante,
um es auch zu verleihen. Die wichtige Kernkapitalquote stieg weiter auf 11,7
Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Einführung der internationalen
Banken-Richtlinie Basel II vor mehr als zwei Jahren. Selbst nach den jüngsten
Zukäufen sieht sich der heimische Branchenprimus ausreichend flüssig. “Wir
stehen kapitalseitig gut da”, sagte Finanzchef Stefan Krause in einer
Telefonkonferenz.
ZWEI ÜBERNAHMEN IN FOLGE
Zwischenzeitlich waren immer wieder Spekulationen über eine Kapitalerhöhung
hochgekocht, denn die Deutsche Bank hatte in rascher Folge mehrere große
Übernahmen getätigt: Erst in der vergangenen Woche sicherten sich die
Frankfurter die niederländische Mittelstandsbank HBU, eine Tochter der
gestrauchelten ABN Amro. Am Mittwoch schlug die Deutsche Bank dann bei der
Privatbank Sal. Oppenheim zu mit ihrer schwerreichen Klientel zu. Davor hatte
Ackermann die Berliner Bank, die Norisbank und Teile der Postbank
übernommen. Die Komplettübernahme der Bonner könnte aber noch dauern, wie
Finanzchef Krause andeute: “Wir haben Zeit bis 2012.”
Mit den Zukäufen kommt Ackermann seinem Ziel näher, das risikoreiche
Investmentbanking und das als solide geltende Geschäft mit Privat- und kleineren
Firmenkunden in die Waage zu bringen. Die größte deutsche Bank gehört weltweit
zu den führenden Investmentbanken und stand Anfang des Jahrtausends wegen des zu
hohen Risikos im Eigenhandel in der Kritik. Einige Experten bezeichneten die
Frankfurter als “Spielkasino mit angeschlossenem Bankbetrieb”. Das Risiko hat
Ackermann bis Ende September jedoch auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren
zurückgefahren./das/zb/mt/gr