(neu: Kursreaktion, Aussagen aus Analystenkonferenz)
FRANKFURT (dpa-AFX) – Die Deutsche Bank
Finanzkrise abgeschüttelt. Unter dem Strich verbuchte Deutschlands größte Bank
für 2009 einen Überschuss von 5,0 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor hatte das
Institut wegen der Krise erstmals in seiner Geschichte in einem Gesamtjahr rote
Zahlen geschrieben. Getrieben wurden die Einnahmen der Deutschen Bank von einem
dicken Plus im Investmentbanking und Sondereffekten wie Steuergutschriften. Auch
in Zukunft verlässt sich Konzernchef Josef Ackermann voll und ganz auf das in
der Finanzkrise viel gescholtene Geschäft. Er versicherte aber am Donnerstag,
die Bank werde sich am weltweiten Bemühen um schärfere Regeln für die Branche
konstruktiv beteiligen. Auch ihr Bonussystem stellte Deutschlands größte Bank
nach anhaltender Kritik an der Bezahlung von Bankern um.
“Auf Grund unserer Finanzstärke und unserer strategischen Positionierung
sind wir für die Chancen und Herausforderungen 2010 bestens gerüstet”, sagte
Ackermann am Donnerstag in Frankfurt. “Das Jahr 2010 hat vielversprechend
begonnen.” Die Erholung der Wirtschaft sei aber “noch fragil” und mit Risiken
behaftet.
‘2009 ÜBERGANGSJAHR’
“2009 ist irgendwo ein Übergangsjahr: Aus der Krise kommend, hoffentlich in
normale Zeiten”, sagte Ackermann. Doch auch in der Übergangszeit verdiente die
Bank gut. Der Vorsteuergewinn betrug 5,2 Milliarden Euro – nach einem Verlust
vor Steuern von 5,7 Milliarden im Jahr 2008. Für ausfallgefährdete Kredite legte
die Bank mit 2,6 Milliarden Euro mehr als doppelt so viel Geld zurück wie im
Vorjahr. “Die größten Risiken liegen aber hinter uns”, sagte Finanzvorstand
Stefan Krause. Das oft kritisierte Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent
vor Steuern verfehlte die Bank um zehn Prozentpunkte. Am Aktienmarkt stießen die
Zahlen auf geteiltes Echo und schickten die Titel auf Berg- und Talfahrt.
Zuletzt gab sie um mehr als zwei Prozent nach.
Den Hauptbeitrag zu Gewinn und Erträgen lieferte 2009 trotz eines leichten
Rückgangs in den letzten drei Monaten das Investmentbanking. Und das soll so
bleiben: “Im Wesentlichen wird das Investmentbanking auch in diesem Jahr der
Treiber bleiben”, sagte Ackermann. Er rechnet zwar nicht damit, dass die hohen
Gewinnmargen von 2009 in diesem Jahr wieder erreicht werden, sein Haus werde
dies aber durch Zuwächse in anderen Bereichen wett machen. Seine Hoffnungen
setzt Ackermann dabei auf Asien und das Rohstoffgeschäft.
Im Geschäft mit Privatkunden und der Vermögensverwaltung, dem Problembereich
der Bank, konnte Ackermann trotz sinkender Erträge den Vorsteuergewinn steigern.
Die Deutsche Bank will nach der Übernahme der Privatbank Sal. Oppenheim und der
Beteiligung an der Postbank
Bei der vollständigen Übernahme der Postbank sieht Ackermann nach wie vor keinen
Zeitdruck. “Wir haben unser Ziel erreicht, niemand kann bei der Postbank an uns
vorbei.” Zu weiteren Zukäufen sagte er: “Wir wollen primär organisch wachsen,
werden uns aber auch weiter strategisch interessante Akquisitionen anschauen.”
ACKERMANN SCHAFFT BEI BEZAHLUNG FAKTEN
Gegenwind für das laufende Jahr erwartet die Bank mit ihren weltweit 77.053
(Vorjahr 80.456) Mitarbeitern durch neue Regularien für die Branche. Die Bank
werde einen konstruktiven Beitrag leisten, versprach Ackermann. “Ein
verlässlicher Regulierungsrahmen, eine effektive Aufsicht und eine intakte
Risikodisziplin, man kann auch sagen Risikomoral, liegen in unserem ureigenen
Interesse.”
Seine Eigenkapitalbasis stärkte das Institut deutlich: Die Kernkapitalquote
- das Verhältnis zwischen Eigenkapital und ausgegebenen Krediten – lag Ende
Dezember bei vergleichsweise starken 12,6 (10,1) Prozent. Finanzvorstand Krause
zeigte sich zufrieden: “Wir haben jetzt einen guten Kapitalpuffer, für die vor
uns liegenden Herausforderungen.”
DIVIDENDE STEHT NICHT IM ZENTRUM
Die Aktionäre sollen trotz des Milliardengewinns nur eine leicht erhöhte
Dividende von 75 (50) Cent je Anteil erhalten. “Im Moment ist nicht die
Dividende im Zentrum, sondern die Kapitalstärke”, betonte Ackermann. Das sei es,
was die Regulierungsbehörden erwarteten. Die Bank habe einen Mittelweg zwischen
Regulierungsbehörden, Aktionären und Mitarbeitern gesucht.
Bei der Bezahlung ihrer Manager führte die Bank wie angekündigt neue Regeln
ein: “Wir reduzieren den variablen Gehaltsbestandteil zugunsten des fixen
Teils”, erklärte Ackermann. Boni sollen über mehrere Jahre gestreckt werden und
im Fall von Verlusten auch zurückgefordert werden können. Die Gesamtvergütung
für das Jahr 2009 bezifferte die Bank auf 11,3 (9,6) Milliarden Euro.
/jb/gr/stw/ck
— Von Jörn Bender, dpa und Annika Graf, dpa-AFX —