14.12.2009 | 21:15 Uhr | Technologie

ROUNDUP: Deutsche Bank peilt schon wieder Rekordgewinne an

FRANKFURT (dpa-AFX) – Mitten in der Wirtschaftskrise fasst
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bereits wieder Rekordgewinne ins Auge. Im
Jahre 2011 will er im Tagesgeschäft mit seinem Haus 10 Milliarden Euro vor
Steuern verdienen. Das Gros des Geldes soll dabei wie gehabt aus dem
risikoreichen Investmentbanking kommen. Die Deutsche Bank sei gut durch die
Krise gekommen und könne nun aus einer Position der Stärke heraus angreifen,
sagte Ackermann am Montagabend vor Analysten in Frankfurt.

Ackerman will das globale Investmentbanking weiter ausbauen, die
Marktführerschaft in der von Sparkassen dominierten Heimat erobern und zudem in
Asien kräftig wachsen. “Wir glauben, dass wir in den meisten Ländern
Marktanteile gewinnen können”, sagte der Bankchef. So will Ackermann im
Boommarkt China das Geschäft glatt verdoppeln. In den USA, wo viele Banken
Pleite gegangen sind, will er in die Lücken vorstoßen.

BÖRSIANER SIND ZUFRIEDEN

Die Anleger ließen sich von soviel Optimismus anstecken: Die Aktie ging mit
einem Plus von gut drei Prozent aus dem Parketthandel. Und das, obwohl Ackermann
sein ehrgeiziges Ziel ausdrücklich unter einige Vorbehalte stellte: Der
Finanzmarkt müsse sich normalisieren und es dürfe zu keinen weiteren
Abschreibungen kommen. Zudem müsse die Weltwirtschaft anspringen. Seinem eigenen
Haus schrieb er ins Buch, die Kosten um eine Milliarde Euro zu senken. Zuletzt
war bereits die Zahl der Mitarbeiter leicht gesunken, von einem größeren
Stellenabbau war aber keine Rede.

Im bisher besten Jahr der Firmengeschichte 2007 hatte die Deutsche Bank gut
8,7 Milliarden Euro vor Steuern verdient. Im vergangenen Jahr wollte Ackermann
eine ähnliche Größe erreichen, doch dann brach die Finanzkrise über die Branche
herein und das Institut schrieb einen Vorsteuerverlust von 5,7 Milliarden Euro.
Anders als viele Wettbewerber hatte sich die Deutsche Bank zuvor aber von Teilen
ihrer Schrottpapiere getrennt und kam deshalb schnell wieder auf die Beine. Der
Rivale Commerzbank hingegen verhob sich mit der Dresdner Bank und
musste staatlich gestützt werden. Die Verluste dauern hier an.

INVESTMENTBANKING FLORIERT

Bei der Deutschen Bank hingegen sorgte das florierende Investmentbanking in
den ersten drei Quartalen dieses Jahres schon wieder für hohe Gewinne, insgesamt
gut 4,4 Milliarden Euro. Das Privatkundengeschäft dümpelte dagegen wie bei der
Konkurrenz vor sich hin. Auch künftig sollen drei Viertel des Gewinns aus den
viel gescholtenen, globalen Finanztransaktionen herrühren. An seinem in
Deutschland heftig kritisierten Renditeziel von 25 Prozent hielt Ackermann fest.
Sorgen vor Rückschlägen zerstreute er: “Wir haben die Risiken während der Krise
heruntergefahren.” Er räumte allerdings ein, dass noch mehr getan werden müsse.

Mit den Übernahmen der jüngeren Vergangenheit hat Ackermann bereits eher das
klassische Firmenkunden- und Privatkunden-Geschäft gestärkt: Er stieg bei der
Postbank mit ihrer weiten Verbreitung in der Fläche ein, übernahm die
Privatbank Sal. Oppenheim mit ihrer vermögenden Klientel und sicherte sich
zuletzt die Mittelstandsbank HBU der niederländischen ABN Amro. Dabei kamen den
Frankfurtern die Schwäche der Konkurrenz und die gesunkenen Preise zugute.

GENUG GELD IN DER KASSE

Trotz der Milliardengeschäfte sieht Ackermann sein Institut ausreichend mit
Geld versorgt. Die Kernkapitalquote lag zuletzt bei 11,7 Prozent und damit
deutlich über den anvisierten 10 Prozent. Diese Marke will der
Deutsche-Bank-Chef auch dann mit Bordmitteln halten, wenn der Gesetzgeber wie
erwartet die Zügel strammer anzieht. Den Kapitalmarkt will Ackermann höchstens
für weitere Zukäufe anzapfen.

Börsianer spekulieren schon seit Monaten darauf, dass der Schweizer die
Bonner Postbank angesichts des vergleichsweise günstigen Kurses alsbald komplett
übernimmt. Doch Ackermann will sich nicht unter Druck setzen lassen. “Wir sind
bei der Postbank nicht in Eile, wir haben Zeit.” Spätestens Anfang 2012 fällt
den Frankfurtern aufgrund einer Vereinbarung mit dem zweiten Großaktionär Post
ohnehin die absolute Mehrheit zu./das/she

 

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