13.01.2010 | 12:18 Uhr | Wirtschaft

Aktien Frankfurt: DAX leicht erholt – Nach Alcoa dominiert die Vorsicht

FRANKFURT (dpa-AFX) – Der deutsche Aktienmarkt hat sich am Mittwoch im
frühen Handel von seinen anfänglichen Verlusten etwas erholen können, ohne
jedoch große Sprünge zu machen. Der deutsche Leitindex Dax hielt sich
seitdem unter der psychologisch wichtigen Marke von 6000 Punkten und notierte
gegen Mittag mit 5955,51 Punkten 0,21 Prozent im Plus. Für den MDax
ging es um 0,18 Prozent auf 7795,54 Punkte nach oben. Besser erging es dem
Technologiesektor: Der TecDax kletterte nach gut aufgenommenen Zahlen
von Dialog Semiconductor um 0,40 Prozent auf 845,40 Punkte.

Matthias Jasper, Chefhändler der WGZ Bank, gibt sich optimistisch für die
kommende Entwicklung an den Börsen: “Die Verunsicherung hat einige zu
Gewinnmitnahmen verleitet, nachdem die europäischen Märkte technisch etwas
angeschlagen sind und man doch etwas zu sorglos ins neue Jahr ging. Ich möchte
dies aber nicht überbewerten. Trotz der schwachen Zahlen von Alcoa rechne ich im
ersten Quartal 2010 mit einem konstant positiven Newsflow sowohl von den
Unternehmen als auch auf konjunktureller Seite. Vor allem Banken dürften auf
Grund der ‘Money for Nothing’-Politik sehr gute Zahlen abliefern, wie es ja auch
die Abschöpfungspläne der Regierungen in England und den USA andeuten.”

Bankenaktien rückten mit einer Gewinnwarnung der französischen Bank Societe
Generale in den Mittelpunkt. Zuvor wurde der Sektor von erhöhten
Mindestreserveanforderungen der chinesischen Zentralbank und einer Ankündigung
von US-Präsident Barack Obama in Aufruhr versetzt. Obama will den Banken eine
Sonderabgabe für die staatlichen Rettungsprogramme aufdrücken. Die Aktien der
Deutschen Bank verloren als Dax-Schlusslicht 2,05 Prozent auf 50,15 Euro,
während die Papiere der Commerzbank ihre anfänglichen Verluste verringerten und
zuletzt noch 0,41 Prozent tiefer bei 6,568 Euro notierten. Hier machten Händler
charttechnische Aspekte für die bessere Entwicklung verantwortlich, nachdem die
Aktie am Vortag schon deutlichere Verluste verbucht hatte.

Infineon Technologies setzten sich mit einem Plus von 3,91 Prozent
auf 4,141 Euro an die Dax-Spitze. Goldman Sachs nahm die Aktie des
Halbleiterkonzerns auf die “Conviction Buy List” und erhöhte das Kursziel von
4,30 auf 6,00 Euro. Analyst Simon S. Schafer hob in einer Sektorstudie seine
Gewinnschätzungen für Halbleiterwerte an, da er mit robusten Ergebnissen für das
vierte Quartal 2009 rechnet. Auch seien die Titel aus dem Sektor trotz der
zuletzt freundlichen Kursentwicklung noch attraktiv bewertet. Händler sagten
zudem, Nomura habe die Infineon-Aktie von “Reduce” auf “Neutral” hochgestuft.

Bei Salzgitter und Gea Group sorgten indes Abstufungen
durch Merrill Lynch für Kursverluste. Die Aktien des Stahlproduzenten setzten
die Experten von “Neutral” auf “Underperform” herunter und senkten das Kursziel
von 68 auf 67 Euro. Bei Gea nahmen sie die Einstufung von “Buy” auf “Neutral”
zurück, erhöhten aber das Kursziel von 14,80 auf 16,50 Euro.

Darüber hinaus rückten vor allem Unternehmen aus der zweiten Reihe in den
Fokus: Im TecDax etwa fielen die Anteilsscheine von Freenet am
Index-Ende um 2,74 Prozent auf 8,987 Euro. Die vom Finanzinvestor Permira
kontrollierte Telco Holding trennt sich von ihrem verbliebenen Anteil am
Mobilfunkanbieter. Die 12,9 Millionen Aktien entsprächen einem Anteil von 10,1
Prozent und würden von Goldman Sachs und UBS in einem beschleunigten
Bookbuildingverfahren platziert, teilte Permira mit. Permira selbst bezifferte
den Wert der zu veräußernden Anteile in der Mitteilung auf etwa 119 Millionen
Euro.

Bei Dialog Semiconductor sorgte eine gewisse Verwirrung um
Umsatzschätzungen für leichte Kursschwankungen. Nach anfänglichen Verlusten
stiegen die Papiere zuletzt um 5,05 Prozent auf 10,190 Euro. Der
Schaltkreis-Hersteller steigerte seinen Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr
voraussichtlich um rund ein Drittel. Ein Börsianer sagte in einer ersten
Reaktion, die Umsätze lägen unter den Erwartungen. Ein weiterer Marktteilnehmer
hob indes hervor, dass es einige Schätzungen gab, die deutlich unter den von
Dialog angekündigten 218 Millionen US-Dollar liegen. Allerdings habe die Aktie
sich zuletzt ziemlich gut entwickelt, so dass diese Nachricht erst einmal zu
Gewinnmitnahmen führen dürfte. Die nächste charttechnische und psychologische
Unterstützung liege bei 9,00 Euro.

Südzucker drehten nach anfänglichen Verlusten mit plus 0,20
Prozent auf 15,255 Euro in die Gewinnzone. Das Bioethanolunternehmen
verzeichnete in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2009/10 bei
gestiegenem Umsatz ein geringeres operatives Ergebnis als im Vorjahr. Ein
Börsianer sah die Erwartungen der Deutschen Bank sowohl bei Umsatz und
operativem Ergebnis als auch vor allem dem Nachsteuerergebnis verfehlt. Der
Ausblick für 2010/11 sei indes solide, erklärte ein weiterer Händler. Südzucker
selbst legt am Donnerstag Zahlen vor. Die Anteilsscheine von Cropenergies
konnten um 2,99 Prozent auf 4,130 Euro zulegen.

Die Titel von Douglas Holding drehten dank positiv aufgenommener
Geschäftszahlen ins Plus und gewannen 0,54 Prozent auf 33,53 Euro hinzu. Einem
Händler zufolge fielen der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen und der
Vorsteuergewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/09 etwas besser als erwartet
aus, wohingegen der Reingewinn etwas enttäuscht habe. Positiv werte er, dass die
Dividendenzahlung mit einer Ausschüttung von 1,10 Euro je Aktie stabil bleiben
soll. Zudem teilte Douglas mit, die Augen für Zukäufe offen halten zu wollen
und sich andererseits eventuell ganz aus einigen Märkten zurückziehen zu wollen.
Auch diese Aussagen fielen Börsianern zufolge auf fruchtbaren Boden./thx/gl

—- Von Timo Hausdorf dpa-AFX —-

 

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