FRANKFURT (dpa-AFX) – Der deutsche Alleingang beim Verbot von so genannten
ungedeckten Leerverkäufen von Wertpapieren hat die Nervosität an den
Devisenmärkten weiter verstärkt und zu heftigen Kursschwankungen beim Euro
geführt. In einer rasanten Talfahrt rutschte die Gemeinschaftswährung erstmals
seit Anfang 2006 wieder unter die Marke von 1,22 Dollar auf ein Tief von
zeitweise 1,2146 Dollar. Im späten Nachmittagshandel erholte sich der Euro
wieder kräftig und sprang zeitweise über 1,23 Dollar. Zuletzt kostete ein Euro
1,2277 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor
auf 1,2270 (Dienstag: 1,2428) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit
0,8150 (0,8046) Euro.
Mit dem überraschen Verbot von ungedeckten Leerverkäufen “ist die
Verunsicherung an den Märkten gestiegen”, kommentierte der Devisenexperte Ralf
Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) die Entscheidung der
deutschen Finanzaufsicht. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
(BaFin) hatte am Dienstagabend völlig überraschend bestimmte, hoch spekulative
Wetten von Investoren auf fallende Kurse untersagt. Bei ungedeckten
Leerverkäufen geht es um Geschäfte, in denen Händler Wertpapiere zum Verkauf
anbieten, die sie gar nicht besitzen – in der Absicht, sie später zu einem
niedrigeren Preis zu kaufen und damit Gewinn zu machen. Volkswirte zweifelten am
Sinn des Verbots und sprachen teilweise sogar von einer “Verzweiflungstat der
Bundesregierung”.
Der deutsche Alleingang beim Verbot von Leerverkäufen werde nur wenig
Wirkung zeigen, kritisierte auch Umlauf. Solange an wichtigen Finanzzentren wie
zum Beispiel London die Geschäfte ungestört laufen können, zeige das Verbot in
Deutschland “allenfalls eine symbolische Wirkung”. Die Kurserholung des Euro am
Nachmittag erklärte Umlauf mit Interventionen der Schweizer Nationalbank an den
Devisenmärkten. Außerdem habe nach der rasanten Talfahrt der vergangenen
Handelstage eine “technische Gegenreaktion” eingesetzt.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen
Euro auf 0,85805 (0,85895) britische Pfund
japanische Yen
fest. Der Preis für eine Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit
1.195,00 (1.216,75) Dollar gefixt. Der Kilobarren Gold kostete 32.238,60
(31.788,15) Euro./jkr/js/sk