DJ Europa-Aktien nach enttäuschenden Konjunkturdaten sehr schwach
FRANKFURT (Dow Jones)–An den europäischen Aktienmärkten haben die Kurse am Dienstag deutlich nachgegeben. Der Dow-Jones-Euro-Stoxx-50 verlor 1,7% oder 48 Punkte auf 2.731 und der Stoxx-50 fiel um 1,3% bzw 33 Zähler auf 2.478. Belastet wurde die Stimmung laut Händlern von schwachen Konjunkturdaten auf beiden Seiten des Atlantiks.
Am Nachmittag drückte ein unerwartet starker Rückgang des US-Verbrauchervertrauens auf die Kurse. Der Vertrauensindex fiel um 10,5 Punkte zurück auf 46, erwartet worden war nur ein geringer Rückgang auf 54,8. "Die Erstanträge und die Beschäftigungskomponenten in den ISM-Indizes ließen nicht auf einen derartig deutlichen Vertrauensrückgang schließen", sagte ein Analyst. Nach der Bekanntgabe hätten Ängste kursiert, die Konjunktur könne sich schon wieder abschwächen.
Bereits am Morgen hatte die Bekanntgabe des deutschen ifo-Geschäftsklima-Index die Stimmung an den Börsen eingetrübt. Der Geschäftsklimaindex ist im Februar entgegen den Erwartungen nicht weiter gestiegen, sondern auf 95,2 zurückgegangen von 95,8 im Januar.
Technische Situation noch entspannt
Technisch orientierte Marktanalysten geben allerdings noch Entwarnung: Der Rückgang baue die kurzfristig überkauften Strukturen ab, heißt es überwiegend aus der Gilde der technisch orientierten Marktteilnehmer. Sie erwarten in den kommenden Tagen eine Wiederaufnahme der Erholung. Eine erste Unterstützung im Euro-Stoxx-50 liege im Bereich um 2.700 Punkte, ein Widerstand um 2.800 Stellen.
Rohstoffaktien und Bankenwerte unter Druck – RI brechen ein
Mit einem Abschlag von 2,4% führten die konjunkturabhängigen Rohstoffwerte die Korrektur an, dicht gefolgt von den Bankaktien, deren Index 2% verlor. Abschreibungen der Commerzbank, aber auch neue Sorgen über österreichische Banken nahmen den Anlegern nach Einschätzung eines Händlers die Lust an dem Sektor. "Jeder weiß, dass die Probleme im Sektor nicht ausgestanden sind", so der Marktteilnehmer. Die Frage sei, inwieweit die Institute auf die noch anstehenden Abschreibungen vorbereitet seien. Raiffeisen International (RI) brachen um 12% ein auf 34,96 EUR. Die RI und die Raiffeisen Zentralbank Österreich prüfen einen Zusammenschluss.
Im Handel wird vermutet, dass sich die Banken gemeinsam in einer besseren Verfassung sehen, um die Herausforderungen in Osteuropa zu meistern. Damit handelte es sich um einen Zusammenschluss aus einer Position der Schwäche heraus. Die Nachricht habe die Befürchtung ausgelöst, dass in den Bilanzen der Banken noch Probleme schlummerten, hieß es am Markt. Nicht auszuschließen sei, dass es zu weiteren Abschreibungen in Richtung Osteuropa komme. In Wien fielen Erste Bank um 3,5%. Bei den europäischen Großbanken sanken Credit Agricole um 3,2%, Deutsche Bank um 3,3%, BBVA um 3,6% und Santander um 4,1%.
Getränke- und Lebensmittelsektor freundlich
Den Verlusten konjunkturabhängiger Aktien standen Gewinne bei einigen defensiven, also konjunkturunabhängigen Titeln gegenüber, so bei den Nahrungs- und Getränke-Herstellern. Mit einem Aufschlag von 0,4% notierte der Branchen-Index als einziger im Plus. Nestle gewannen 0,8%, nach der UBS haben nun auch die Analysten der Credit Suisse und von Helvea ihre Kursziele für Nestle angehoben.
AstraZeneca fest – Roche leichter
Der Index der Pharmaaktien verlor dagegen 0,6%. AstraZeneca zogen nach der erzielten Einigung mit den britischen Steuerbehörden um 0,3% auf 2.817 p an. Mit der Einigung hat der Pharmakonzern einen langwährenden Streit über Transferpreise beigelegt, das Unternehmen erhöhte in der Folge die Jahresprognose.
Auf der anderen Seite verloren Roche 1,5%. Als leicht negativ für die Roche-Aktie stufte ein Händler die Nachrichten zu "Avastin" ein. Eine globale Phase-III-Studie mit "Avastin" in Kombination mit einer Chemotherapie bei fortgeschrittenem Magenkrebs verfehlte den primären Endpunkt.
Europäische Schlussstände von Dienstag, den 23. Februar 2010:
===
Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Europa Euro-Stoxx-50 2730,57 -47,55 -1,7 -7,9
Stoxx-50 2477,82 -32,79 -1,3 -3,9
Stoxx-600 246,74 -2,93 -1,2 -2,5
Frankfurt XETRA-DAX 5604,07 -84,37 -1,5 -5,9
London FTSE-100 5315,09 -36,98 -0,7 -1,8
Paris CAC-40 3707,06 -49,64 -1,3 -5,8
Amsterdam AEX 320,99 -4,13 -1,3 -4,3
Athen ATHEX-20 956,11 -23,50 -2,4 -15,0
Brüssel BEL-20 2502,89 -18,21 -0,7 -0,3
Budapest BUX 20861,92 -619,39 -2,9 -1,7
Helsinki OMXH-25 2065,23 -11,16 -0,5 1,6
Istanbul NAT30 63774,88 -1574,60 -2,4 -4,8
Kopenhagen OMXC-20 357,44 -3,55 -1,0 6,2
Madrid IBEX-35 10312,90 -257,60 -2,4 -13,6
Mailand FTSE-MIB 21224,07 -480,71 -2,2 -8,7
Moskau RTS 1423,13 0,00 0,0 -1,5
Oslo OBX 319,00 -7,46 -2,3 -6,0
Prag PX 1143.40 - -1,0 -
Stockholm OMXS-30 942,05 -12,05 -1,3 -1,0
Warschau WIG-20 2240,28 -27,02 -1,2 -6,2
Wien ATX 2501,85 -65,58 -2,6 0,3
Zürich SMI 6649,09 -38,32 -0,6 1,6
===
DJG/hru/flf
Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de
(END) Dow Jones Newswires
February 23, 2010 12:29 ET (17:29 GMT)
Copyright (c) 2010 Dow Jones & Company, Inc.