DJ FOKUS/Aareal Bank bräuchte für Westimmo-Kauf frisches Kapital
FRANKFURT (Dow Jones)–Die Übernahme der zum Verkauf gestellten WestLB-Tochter Westimmo dürfte für die Aareal Bank nicht ohne Kapitalerhöhung zu machen sein. Zu dieser Einschätzung kommen die Analysten Tutku Bagriyanik (BHF Bank) und Philipp Häßler (equinet) am Mittwoch. Am Vortag hatten Marktgerüchte um eine bevorstehende Kapitalerhöhung der Aareal Bank die Aktie des Wiesbadener Immobilienfinanzierers zeitweise mehr als 5% in den Keller geschickt.
Die Aareal Bank zählt Medienberichten zufolge zu den ernstzunehmenden Bietern für den Immobilienfinanzierer Westimmo. Neben den Wiesbadenern werden als Interessenten einige Private-Equity-Gesellschaften sowie der Aareal-Wettbewerber Correal Credit gehandelt, hinter dem der Finanzinvestor LoneStar steht. Als Kaufpreis stehen 450 Mio bis 700 Mio EUR im Raum. Ein Aareal-Bank-Sprecher wollte das kolportierte Interesse an der Westimmo sowie Gerüchte um eine Kapitalerhöhung am Mittwoch nicht kommentieren.
Analyst Tutku Bagriyanik hat ein Verkauf an die Aareal Bank durchgespielt. Nach seinen Berechnungen hängt der Kapitalbedarf im Falle einer Übernahme von Westimmo von mehreren Faktoren ab, die sich jedoch im Kern auf die Frage nach der Tier-1-Quote des Unternehmens reduzieren lassen. Denn laut eigenem Bekunden will das Institut eine Eigenkapitalquote von 10% nicht unterschreiten. Aktuell liegt sie bei rund 11%.
Bis auf mindestens 12% dürfte die Tier-1-Quote im Zuge der für das erste Halbjahr angekündigten Umstellung bei der Bewertung risikogewichteter Aktiva steigen, hat Bagriyanik errechnet. Umgekehrt düfte das Volumen risikogewichteter Aktiva auf 20 Mrd EUR abnehmen. Im Falle einer Westimmo-Übernahme würde das Volumen wieder auf 30 Mrd EUR steigen, tippt der Analyst. Eine Tier-1-Quote von 10% erfordere vor diesem Hintergrund ein Eigenkapital von 3 Mrd EUR – aktuell liege das Eigenkapital der Bank bei lediglich rund 2,415 Mrd EUR.
Die für einen Kauf fehlenden knapp 600 Mio EUR Eigenkapital müssten jedoch nicht allein über eine Kapitalerhöhung gestemmt werden, erläutert der Analyst. Das per Ende September ausgewiesene Eigenkapital der Westimmo liegt bei gut 900 Mio EUR. Sollte der Kaufpreis den Presseberichten entsprechend darunter liegen, würde ein sofortiger Buchgewinn fällig. Dieses Geld flösse direkt ins Eigenkapital der Areal Bank.
"Erhält die Aareal beispielsweise für 500 Mio EUR den Zuschlag, würden rund 400 Mio EUR ins Eigenkapital fließen", sagte Bagriyanik. Da sowohl er als auch Häßler für 2010 mit einem Gewinn von rund 35 Mio EUR bei der Aareal Bank rechnen, müsste das Institut sein Kapital um gut 150 Mio EUR erhöhen, um die eigenen Eigenkapitalvorgaben zu erfüllen.
"In diesem Fall müsste die Aareal zwei Kapitalerhöhungen durchführen. In einem ersten Schritt könnte sie das genehmigte Kapital von 10% noch vor Mitte Mai voll ausreizen", so Bagryianik. Bei einem Kurs von 16 EUR je Aktie könnte die Aareal durch die Ausgabe von 4,25 Mio Aktien knapp 70 Mio EUR einsammeln. Den restlichen Betrag müsste sich die Aareal aber auf der Hauptversammlung Mitte Mai genehmigen lassen.
Auch Analyst Philipp Häßler von equinet sieht im Falle einer Übernahme der Westimmo Kapitalbedarf. "Ohne den Kauf der Westimmo sollte die Aareal in der Lage sein, sowohl das Neugeschäft zu steigern als auch die stille Einlage des SoFFins zurückzahlen", so Häßler. Erhielte die Aareal Bank tatsächlich den Zuschlag für die Westimmo, könnte der Kapitalbedarf nach seiner Einschätzung unter Umständen massiv ausfallen.
Trotz Eigenkapitalbedarfs würde sich der Kauf der Westimmo für die Aareal Bank aus Sicht der Analysten aber lohnen. Laut Bagriyanik wäre ein solcher Schritt allein deshalb sinnvoll, weil sich die Geschäftsmodelle der beiden Immobilienbanken ähneln und Synergien gehoben werden können.
Webseite: www.aareal-bank.de Von Eyk Henning, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 108, eyk.henning@dowjones.com DJG/eyh/rio Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de
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March 10, 2010 09:33 ET (14:33 GMT)
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